Woche 19: Vorschussbetrug – Eine alte Masche, die sich immer wieder neu erfindet

12.05.2026 - Eine angebliche Erbschaft, ein vermeintlicher Lotteriegewinn oder eine grosszügige Spende: Um an das versprochene Geld zu gelangen, sollen lediglich Gebühren im Voraus bezahlt werden. Was zunächst verlockend klingt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als klassischer Vorschussbetrug. Diese Betrugsmasche ist keineswegs neu. Seit Jahrhunderten täuschen Kriminelle ihre Opfer auf diese Weise. Dass sie bis heute erfolgreich ist, liegt vor allem an ihrer ständigen Anpassungsfähigkeit. Immer wieder greifen Betrüger aktuelle Themen und Ereignisse auf, um ihre Geschichten glaubwürdig erscheinen zu lassen. Gegenwärtig nutzen Cyberkriminelle gezielt geopolitische Krisen, um Seriosität vorzutäuschen, Vertrauen aufzubauen und schliesslich Geld zu ergaunern.

Schon im 16. Jahrhundert wurde Vorschussbetrug betrieben. Beim sogenannten «Spanischen Gefangenen» gab ein angeblicher Adliger an, dass er unschuldig im Gefängnis sitzt und jemanden suche, der ihm gegen eine Vorauszahlung zur Freiheit verhalf. Der vermeintliche Gefangene versprach, sich später fürstlich beim Gönner zu revanchieren. Das Prinzip wird auch Jahrhunderte später noch immer angewendet, einzig die Kulisse ändert sich: Was früher per Brief versendet wurde, landet heute im E-Mail-Postfach, professionell formuliert, persönlich adressiert und auf den ersten Blick kaum von einer legitimen Anfrage zu unterscheiden.

Wenn die Weltpolitik zur Betrugskulisse wird

Dem BACS liegen Meldungen vor, in denen sich Personen als wohlhabende Geschäftsleute aus Krisenregionen wie aktuell dem Iran oder den Golfstaaten ausgeben und dringend angebliches Kapital ins Ausland transferieren möchten. Die Nachrichten folgen stets einem ähnlichen Muster: Der angebliche Absender beschreibt eine bedrohliche Lage in seiner Region, verweist auf die Dringlichkeit der Situation und erklärt, er habe die angeschriebene Person aufgrund ihres beeindruckenden Hintergrunds gezielt ausgewählt. Sie solle als Partnerin oder Partner bei der Abwicklung wichtiger Projekte fungieren und werde dafür grosszügig entschädigt.

Die Nachrichten sind persönlich formuliert, der Ton ist professionell und seriös. Sie enthalten keine offensichtlichen Rechtschreibfehler, sind inhaltlich kohärent und wirken auf den ersten Blick wie eine ernsthafte Geschäftsanfrage. Angesichts aktueller geopolitischer Spannungen, über die täglich in den Medien berichtet wird, erscheint die geschilderte Situation für viele Empfängerinnen und Empfänger nachvollziehbar und plausibel. Genau das macht diese Variante des Vorschussbetrugs besonders heimtückisch.

Ablauf

Sobald die angeschriebene Person auf die Nachricht reagiert, beginnt ein sorgfältig inszenierter Prozess. Zunächst wird Vertrauen aufgebaut, indem ein regelmässiger Austausch gepflegt, scheinbar vertrauliche Informationen ausgetauscht und das Versprechen einer lukrativen Partnerschaft gegeben wird. Erst wenn das Vertrauen gefestigt ist, folgt die eigentliche Forderung: Vorauszahlungen für angebliche Gebühren, Steuern, Anwaltskosten oder administrative Aufwendungen, die angeblich notwendig sind, um den Geldtransfer zu ermöglichen oder die Partnerschaft zu formalisieren.

Nachdem eine erste Zahlung geleistet wurde, tauchen neue Hindernisse und damit neue Forderungen auf. Die versprochene Gegenleistung rückt dabei immer weiter in die Ferne, während die Zahlungsaufforderungen nicht nachlassen. Das versprochene Vermögen existiert jedoch gar nicht. Die einzige Absicht der Cyberkriminellen besteht darin, möglichst viele Vorauszahlungen zu generieren, bevor sie den Kontakt abbrechen.

Warum Opfer weiterzahlen

Die Nachrichten sind darauf ausgelegt, bestimmte Emotionen wie Gier, Hoffnung oder das Gefühl, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, zu wecken. Wer glaubt, kurz vor einem grossen Gewinn zu stehen, zahlt die erste Vorauszahlung, ohne zu zögern, schliesslich erscheint sie im Verhältnis zur versprochenen Summe verschwindend klein. Genau darauf setzen die Cyberkriminellen.

Sobald die erste Zahlung geleistet wurde, greift ein weiterer Mechanismus: Wer bereits Geld investiert hat, möchte es nicht abschreiben. Je mehr bezahlt wurde, desto grösser wird die Hoffnung, am Ende doch noch das Versprochene zu erhalten. Dieses Phänomen ist als «Sunk Cost Fallacy» bekannt. Cyberkriminelle nutzen dies gezielt aus, indem sie immer neue Hindernisse und Gebühren erfinden, um weitere Zahlungen zu provozieren. Je tiefer man bereits in die Masche hineingezogen wurde, desto schwerer fällt der Kontaktabbruch.

Empfehlungen

  • Ignorieren Sie solche Nachrichten.
  • Sollten Sie bereits mit den Betrügern Kontakt aufgenommen haben, brechen Sie diesen unverzüglich ab und tätigen Sie keinerlei Zahlungen.
  • Sollten Sie eine Zahlung getätigt haben, wenden Sie sich umgehend an Ihre Bank, damit diese die Zahlung gegebenenfalls noch stoppen kann.
  • Falls Sie einen finanziellen Schaden erlitten haben, empfiehlt das BACS eine Strafanzeige bei der örtlichen Polizei. Auf der Seite von Suisse ePolice können Sie Polizeiposten in Ihrer Nähe suchen.

Weiterführende Informationen

Aktuelle Zahlen und Statistiken

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Letzte Änderung 12.05.2026

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