Woche 23: Stellensuchende im Visier – Phishing, Betrug und Schadsoftware im Bewerbungsprozess

09.06.2026 - Stellensuchende geraten zunehmend ins Visier von Cyberkriminellen. Die Hoffnung auf eine neue Stelle sowie die damit verbundene Bereitschaft, rasch zu reagieren und sich auf unbekannte Abläufe einzulassen, senken die Wachsamkeit. Die Angreifer nutzen dies gezielt aus und setzen dabei ihr gesamtes Repertoire ein. Von Phishing über klassischen Betrug bis hin zur Verteilung von Schadsoftware.

In den vergangenen Wochen erreichten das BACS mehrere Meldungen von Stellensuchenden. Cyberkriminelle nehmen gezielt Menschen ins Visier, die sich auf Jobsuche befinden und daher eher bereit sind, rasch zu handeln und sich auf Ungewohntes einzulassen. Die Angreifer nutzen genau diese Wachsamkeitslücke aus und setzen dabei ihr gesamtes Repertoire ein. Anhand von drei gemeldeten Fällen zeigt das BACS, wie die Maschen funktionieren und wie man sich wirksam schützen kann.

Phishing im Bewerbungsprozess: Gefälschtes Interview-Login

Im ersten Fall stiess ein Stellensuchender auf eine angebliche Ausschreibung. Im weiteren Verlauf wurde ihm ein Termin für ein telefonisches Interview angeboten, den er über einen Kalendereintrag bei Google bestätigen sollte. Beim Klick auf die Bestätigung erschien ein täuschend echt wirkendes Login-Fenster. Sogar der angegebene Link schien auf Google zu verweisen. Was der Melder nicht erkennen konnte: Die in diesem Fenster eingegebenen Zugangsdaten wurden nicht zur Terminbestätigung verwendet, sondern direkt an die Betrüger übermittelt. Die gesamte Login-Seite inklusive eingeblendeter Internetadresse war gefälscht. Es handelte es sich folglich um einen klassischen Phishing-Versuch, der geschickt in einen vermeintlich legitimen Bewerbungsprozess eingebettet war. Die Betrüger erhalten auf diese Weise die Zugangsdaten zum Google Konto des Opfers.

Betrügerische Einladung zum Telefon-Interview mit der Aufforderung, den Termin über Google zu bestätigen, sowie das gefälschte Login-Fenster, das die eingegebenen Zugangsdaten abgreift.
Betrügerische Einladung zum Telefon-Interview mit der Aufforderung, den Termin über Google zu bestätigen, sowie das gefälschte Login-Fenster, das die eingegebenen Zugangsdaten abgreift.

Paketjob als Falle

Im zweiten Fall stiess eine Stellensuchende auf das Inserat einer vermeintlichen «Schweizer Sozialhilfe», welches eine gut bezahlte Home-Office-Tätigkeit anbot: das Verpacken und Weiterleiten von Paketen. Nach kurzem E-Mail-Austausch wurde die weitere Kommunikation auf WhatsApp verlagert. Schliesslich sollte die Melderin ein Formular mit Fotos von Pass, Identitätskarte, Führerausweis und Wohnadresse einreichen. An diesem Punkt schöpfte sie Verdacht und brach den Kontakt ab.

Hinter dieser Masche steckt das Phänomen des sogenannten «Warenagenten» (auch «Paketagent» oder «Reshipper» genannt), eine Form der Verschleierung krimineller Beute. Die Tätigkeit besteht darin, Pakete entgegenzunehmen und an meist im Ausland gelegene Adressen weiterzuleiten und somit die Spuren zu verwischen. Indem die Pakete über eine Zwischenadresse umgeleitet werden, verschleiern die Betrüger die wahre Empfängeradresse und entkoppeln sich von der Lieferung.

Parallel dazu werden die im Bewerbungsprozess erbeuteten Identitätsdokumente eingesetzt, um im Namen des Opfers mit gestohlenen Kreditkartendaten hochwertige Waren wie Elektronikgeräte, Kameras oder Mobiltelefone zu bestellen. Verlangt ein Online-Shop bei Verdacht eine Identifizierung, wird die Ausweiskopie des Warenagenten als Nachweis vorgelegt. Besonders perfide ist, dass sich die Betrüger als «Schweizer Sozialhilfe» ausgaben und damit gezielt auf finanziell verletzliche Personen abzielten.

Falsche Personalvermittler auf LinkedIn

Im dritten Fall wurde eine IT-Fachperson über LinkedIn von einem vermeintlichen Personalvermittler kontaktiert, welcher dem Stellensuchenden eine technische Position bei einem namhaften Unternehmen in Aussicht stellte. In einem ähnlich gelagerten Vorfall stammte die Anfrage gar von einem zuvor kompromittierten, ansonsten echt wirkenden LinkedIn-Profil, was die Glaubwürdigkeit zusätzlich erhöhte.

Im Rahmen eines technischen Interviews sollte der Melder ein privates GitHub-Repository herunterladen und darin eine kleine Programmieraufgabe lösen. Dieses Vorgehen ist in der IT-Branche durchaus üblich und wirkte deshalb unverdächtig. Nach dem Ausführen der Befehle installierte sich jedoch unbemerkt ein «Infostealer» auf dem Gerät des Opfers. Die Schadsoftware war darauf ausgelegt, im Hintergrund Krypto-Wallets, gespeicherte Zugangsdaten und Browser-Cookies auszulesen und an die Angreifer zu übermitteln. Besonders heikel wird ein solcher Vorfall, wenn auf dem betroffenen Gerät zusätzlich sensible Dokumente gespeichert sind.

Empfehlungen

  • Geben Sie Daten von sich nicht zu früh preis. Kontodaten oder Ausweiskopien sind erst nach einer Zusage relevant.
  • Leisten Sie niemals Vorauszahlungen und stellen Sie Ihr Konto oder Ihre Adresse nicht für fremde Geld- oder Warentransfers zur Verfügung.
  • Brechen Sie sofort ab, sobald Ihr Virenscanner anschlägt oder eine Browser-Warnung eingeblendet wird.
  • Klicken Sie keine Links an und führen Sie keine Befehle oder Programme aus, deren Herkunft Sie nicht kennen.
  • Klären Sie bei Ungereimtheiten oder einem Verdacht Ihrerseits ab, ob die Firma, von der die Ausschreibung angeblich stammt, tatsächlich Stellen zu besetzen hat. Fragen Sie gegebenenfalls über die auf der offiziellen Homepage angegebene Nummer telefonisch nach.
  • Überprüfen Sie die Datenschutz- und Privatsphäre-Einstellungen Ihrer sozialen Medien und legen Sie fest, welche persönlichen Informationen Sie teilen möchten.

Aktuelle Zahlen und Statistiken

Die Anzahl Meldungen der letzten Woche nach Kategorien sind publiziert unter:

Aktuelle Zahlen

Letzte Änderung 09.06.2026

Zum Seitenanfang

https://www.ncsc.admin.ch/content/ncsc/de/home/aktuell/im-fokus/2026/wochenrueckblick_23.html