21.07.2026 - Mit künstlicher Intelligenz (KI) generierte Textinhalte und Webseiten sind immer schwieriger zu erkennen. Meldungen an das BACS zu E-Mails und Webseiten, die mit Hilfe von künstlicher Intelligenz erstellt worden sind, nehmen weiter zu. Da sich KI-Modelle laufend verbessern, verschwinden viele der bisherigen Erkennungsmerkmale. Umso wichtiger ist es, die verbleibenden Warnsignale zu kennen. In der zweiten Ausgabe der Sommerserie zeigt das BACS, wie das Erkennen von KI-generierten Texten und Webseiten erleichtert werden kann.
Betrügerische E-Mails und Webseiten anhand des Schreibstils zu erkennen, wird zunehmend schwieriger. Während früher oftmals eine schlecht geschriebene E-Mail oder eine Webseite voller Rechtschreibfehler ein eindeutiges Zeichen für Phishing oder Betrug war, kann man sich heutzutage nicht mehr ausschliesslich darauf verlassen. KI kann einwandfreie Texte in jeder Sprache generieren, die den Anschein von Legitimität erscheinen lassen. Da KI innerhalb kurzer Zeit einen professionell aussehenden Webauftritt erstellen kann, wird sie von Betrügern genau für diesen Zweck eingesetzt. Doch auch die künstliche Intelligenz ist nicht perfekt. Sie neigt dazu, in bekannte Muster zu fallen, die es ermöglichen, die Verwendung von KI zu erkennen.
Gedankenstriche
Ein häufiges Merkmal ist der lange Strich «—». Er ist sehr vielseitig verwendbar, und KI-generierte Texte nutzen ihn auffällig oft, um Gedanken zu verbinden oder Einschübe und Nuancen einzufügen. In Texten aus der Schweiz kommt dieser lange Strich dagegen kaum vor. Ein gehäuftes Auftreten des Gedankenstrichs kann ein Hinweis auf einen KI-generierten Text sein, ist für sich allein aber noch kein Beweis.
Übermässige Verwendung von Fettschrift
Um die Lesbarkeit zu verbessern, stellt KI vermehrt Textabschnitte in Fettschrift dar, um die wichtigsten Punkte zu übermitteln und den maximalen Informationsgehalt auf einen Blick zu konzentrieren.
Scharfes «ß» im Deutschen
Da KI in Deutsch vorwiegend mit der hochdeutschen Literatur trainiert wird und deren Grammatikregeln befolgt, kommt in den Texten nicht selten das scharfe «ß» vor. Dies, obwohl es in der Schweiz nicht verwendet wird, insbesondere nicht von offiziellen Organisationen.
Gleichmässige Satzlängen und Struktur
KI-Texte wirken oft sprachlich sehr korrekt und fehlerfrei. Der Stil ist meist neutral und gleichmässig ohne starke Emotionen. Sätze sind oft ähnlich aufgebaut und wirken ungewöhnlich glatt.
«One Pager»: Alle Informationen auf einer Seite
Oft sind betrügerische Webseiten nur kurze Zeit online und müssen daher auch sehr schnell erstellt werden. Der Einfachheit halber sind solche Webseiten deshalb oftmals als sogenannte «One-Pager» ausgelegt, die lediglich für den Anmeldungsprozess noch einige kleine Unterseiten haben. Ein Webauftritt, der nur aus einer langen Seite besteht, auf der sämtliche Informationen nacheinander aufgeführt sind, ist ein starkes Indiz für eine künstlich generierte Webseite.
Übertreibungen ohne Inhalt
Die KI neigt dazu, viel Text mit wenig konkretem Inhalt zu erzeugen und Aussagen zu übertreiben. Der Grund liegt nicht in den Trainingsdaten, sondern im nachträglichen Training mit menschlichem Feedback. Menschen bewerten ausführliche und bestimmt formulierte Antworten oft als hilfreicher und glaubwürdiger, weshalb die Modelle gelernt haben, solche Texte zu bevorzugen. In betrügerischen Texten zeigt sich das häufig in vielen Superlativen und wiederkehrenden Satzmustern bei gleichzeitig geringem Informationsgehalt.
Animation
Ein weiteres Indiz für die Benutzung von KI ist die übermässige Verwendung von Animationen und anderer bewegter Inhalte innerhalb der Webseite. Da dies als Merkmal einer guten Webseite im Trainingsmaterial markiert wurde, wird die KI dies zur Übertreibung benutzen, auch bei Elementen, die dies nicht nötig haben und keinen effektiven Nutzen für die Lesbarkeit der Webseite darstellen.
Nicht konsistente Bilder und erzwungener Bezug zur Schweiz
Bei Webseiten kann ein weiteres Merkmal sein, dass der Textinhalt nicht konsistent zu den verwendeten Bildern passt und diese untereinander ebenfalls keinen stimmigen Zusammenhang aufweisen. Hintergründe und Aussichten aus Fenstern sind beispielsweise nicht stimmig und zeigen verschiedene Szenarien, welche am gleichen Ort nicht möglich sind.
Ein weiteres Beispiel ist eine übermässig starke Anzahl von Referenzen zur Schweiz. Da die Modelle vielfach mit englischen aber auch mit anderssprachigen Informationen gefüttert wurden, müssen die Betrüger beim «Prompten» (die Eingabe, mit welcher die künstliche Intelligenz arbeitet) den Bezug zur Schweiz in den Text integrieren, was dazu führt, dass die künstliche Intelligenz übermässig viele Schweizer Kreuze oder auch weitere Schweizer Wahrzeichen einsetzt.
Fazit
KI-generierte Webtexte sind oft gut strukturiert, korrekt und neutral formuliert. Sie enthalten jedoch häufig wenig individuelle Tiefe und wirken sprachlich sehr gleichmässig. Eine sichere Erkennung gelingt meist nur durch die Kombination mehrerer typischer Merkmale. Auch wenn Unstimmigkeiten auf Webseiten ein Hinweis auf betrügerische Aktivitäten sein können, ist es noch wichtiger, grundlegende Verhaltensregeln zu beachten, die unabhängig von KI sind. Dazu gehört beispielsweise, Rezensionen im Vorfeld sorgfältig zu lesen und niemals Passwörter oder Kreditkartendaten auf Seiten einzugeben, die solche Unstimmigkeiten enthalten oder die über einen Link in einer E-Mail oder einer Textnachricht geöffnet worden sind.
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Letzte Änderung 21.07.2026







