23.12.2025 - Weihnachten gilt als Zeit der Hoffnung und Besinnung, und genau darauf setzen auch Betrüger, die sich als angebliche Helfer ausgeben. Sie verkünden Opfern, die beispielsweise durch Online-Anlagebetrug Geld verloren haben, die frohe Botschaft, dass diese verlorenen Gelder «wieder aufgetaucht» seien. Doch das Wunder bleibt aus. Statt einer Rückerstattung gibt es Rechnungen: Die Opfer werden zur Zahlung diverser «Servicegebühren» gedrängt, bis klar wird, dass die versprochene Rückerstattung nie erfolgt. So wird aus dem angekündigten Weihnachtswunder ein Betrug.
Beim BACS gehen aktuell vermehrt Meldungen von Personen ein, die bereits Opfer von Online-Anlagebetrug geworden sind und denen nun versprochen wird, dass die dabei verlorenen Gelder gefunden wurden. Die Täterschaft agiert dabei oft professionell: Sie tritt mit gefälschten Dokumenten und überzeugenden Geschichten auf, um Seriosität vorzutäuschen. Für die Opfer ist es schwierig, die Täuschung zu erkennen: Sie haben tatsächlich durch einen früheren Betrug Gelder verloren und klammern sich nun an den Strohhalm, diese wieder zurückzuerhalten. Während im letzten Jahr noch 91 Meldungen zum so genannten «Fake Recovery Scam» beim BACS eingegangen sind, sind es dieses Jahr bereits ganze 462 Meldungen. Offenbar boomt das Geschäft mit der Hoffnung von bereits Betrogenen.
Fällt ein Opfer auf einen Online-Anlagebetrug herein, ist es meistens nur eine Frage der Zeit, bis sich eine fiktive Behörde, ein «Anwaltsbüro», eine Firma oder sonst eine Organisation meldet, die behauptet, die verlorenen Gelder gefunden zu haben. Vielfach werden dabei auch die Namen internationaler Strafverfolgungsbehörden wie Europol oder Interpol missbraucht. Sogar als angebliche Mitarbeiter des BACS haben sich Betrüger bei dieser Masche schon ausgegeben. Das BACS hat in seinem Wochenrückblick 38 darüber berichtet.
Auch die zypriotische Aufsichtsbehörde für Wertpapierdienstleistungen ist bei Betrügern beliebt. Das BACS hat diverse Meldungen erhalten, in denen sich die Betrüger als Vertreter dieser Behörde ausgaben. Die Betrüger registrieren dabei offiziell anmutende E-Mail-Adressen und geben sich als real existierende Person aus, die auf den Seiten der zypriotischen Behörden aufgeführt und zertifiziert sind. Die zypriotische Stelle hat mittlerweile reagiert und die Seite mit den Angaben der Mitarbeitenden deaktiviert.
Die Schweizer Finanzmarktaufsichtsbehörde (FINMA) wurde ebenfalls bereits für solche angeblichen Rückerstattungen als Köder herangezogen. In einem dem BACS gemeldeten Fall wird behauptet, es seien Vermögenswerte auf Plattformen aufgetaucht, die vom Opfer verwendet wurden, die jedoch nicht zugeordnet werden können. Das Opfer soll sich beim «Team» melden, um die Sachlage zu klären.
Es wird auch angerufen
Obwohl die meisten Betrugsversuche weiterhin grösstenteils schriftlich erfolgen, verzeichnet das BACS im aktuellen Jahr eine Zunahme von Fällen, bei denen die Täter ihre Opfer auch telefonisch kontaktieren. Ähnlich wie beim Voice-Phishing können Betrüger in einem direkten Gespräch noch gezielter auf das Opfer eingehen. Dies insbesondere dann, wenn das Opfer misstrauisch wird. Das grösste Hindernis für die Täter ist derzeit allerdings noch die Sprachbarriere: Die Anrufe erfolgen meist auf Englisch. Mit dem zunehmenden Einsatz von künstlicher Intelligenz und Echtzeit-Übersetzung ist jedoch in den kommenden Jahren ein deutlicher Anstieg solcher Betrugsversuche zu erwarten.
Der Folgeschaden übertrifft nicht selten den ersten
Das Perfide an der Vorgehensweise ist, dass der Schaden aus dem zweiten Vorfall teilweise grösser sein kann als der bereits erlittene Schaden aus dem vorangegangenen Online-Anlagebetrug. So verlor ein Opfer bei einem Online-Anlagebetrug im Jahr 2023 10'000 CHF. Zwei Jahre später meldeten sich die Betrüger erneut und boten an, die verlorenen Gelder für eine Gebühr von 22'000 CHF «zurückzuholen». Auf den ersten Blick erscheint es unlogisch, dass das Opfer für die Rückholung mehr zahlen soll, als es ursprünglich investiert hat. Der Trick der Betrüger besteht jedoch darin, dass sie nicht auf die tatsächlich investierte Summe Bezug nehmen, sondern dem Opfer einen vermeintlichen Gewinn der Investition schmackhaft machen. In diesem Fall waren dies 600’000 CHF. Durch Summen in dieser Höhe werden die Opfer verleitet, wiederum höhere Summen an Gebühren zu zahlen. Die Täter verstehen es, neben der Hoffnung auch die Motivation auf hohe Gewinne für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Die Opfer hoffen nicht nur, ihr eingesetztes Geld zurückzubekommen, sondern auch die vermeintlich erzielten Gewinne.
Empfehlungen
- Seien Sie äusserst misstrauisch gegenüber unaufgeforderten E-Mails, die Ihnen eine Rückholung von verlorenen Geldern versprechen.
- Leisten Sie niemals Vorauszahlungen, um angeblich verlorenes Geld zurückzuerhalten. Seriöse Stellen werden keine Gebühren im Voraus verlangen.
- Geben Sie keinem Anrufer Zugriff auf Ihren Computer.
- Überprüfen Sie die E-Mail-Adresse des Absenders. Behörden wie das BACS kommunizieren niemals über kostenlose E-Mail-Anbieter.
- Antworten Sie nicht auf solche E-Mails und klicken Sie auf keine Links oder Anhänge.
- Bei finanziellem Schaden empfiehlt das BACS, Strafanzeige bei der örtlichen Kantonspolizei zu erstatten.
Aktuelle Zahlen und Statistiken
Die Anzahl Meldungen der letzten Woche nach Kategorien sind publiziert unter:
Letzte Änderung 23.12.2025



