05.08.2025 - Betrügerinnen und Betrüger manipulieren ihre Opfer so, dass diese ein gewünschtes Verhalten zeigen. Warum Social Engineering so gut funktioniert und welche psychologischen Tricks dahinterstecken, erläutert das BACS im fünften Teil seiner Sommerserie und wird nächste Woche weitere psychologische Aspekte beleuchten. Wer diese Muster kennt, kann sich gezielt dagegen schützen.
Der Autoritäts-Bias – Warum wir Anweisungen von Autoritäten eher folgen
Der Autoritäts-Bias beschreibt die menschliche Tendenz, Anweisungen oder Aussagen von Menschen mit Autorität unkritisch zu akzeptieren, selbst wenn sie fragwürdig oder unlogisch zu sein scheinen. Der Begriff «Bias» stammt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie «Voreingenommenheit» oder «Vorurteil». Menschen mit Macht, hohem Ansehen oder fachlicher Kompetenz erscheinen glaubwürdiger als unbekannte Personen. Dies hat im Alltag Vorteile, kann aber auch gefährlich sein.
Zwei Beispiele:
- In einem Team-Meeting wird ein Vorschlag eher als sinnvoll wahrgenommen, wenn er von einer vorgesetzten Person kommt, anstatt von einer Kollegin oder einem Kollegen.
- Geben uniformierte Personen (z. B. Polizisten) eine Anweisung, wird dieser eher Folge geleistet, als wenn die gleiche Anweisung von einer Zivilperson erteilt wird.
Betrügerinnen und Betrüger nutzen diesen psychologischen Effekt gezielt aus. Sie geben sich beispielsweise als Polizistinnen oder Polizisten, Bankenmitarbeitende oder als Mitglieder der Geschäftsleitung aus, um Menschen zu manipulieren. Gibt sich ein Anrufer beispielsweise als Polizist aus und weist den Angerufenen an, bestimmte Handlungen auszuführen, hinterfragen viele Menschen diese Anweisungen nicht. Ihr Misstrauen wird in diesem Fall durch den Autoritäts-Bias unterdrückt.
Um sich vor Betrug zu schützen, ist es wichtig, sich diesen Bias bewusst zu machen. Erhalten Sie eine unerwartete Nachricht oder einen Anruf von der «Polizei» oder der «Geschäftsleitung», fragen Sie sich: Ergibt das wirklich Sinn?
Die «Foot-in-the-door»-Technik – Einmal ja gesagt, immer wieder ja sagen?
Die «Foot-in-the-door»-Technik (auf Deutsch «Fuss in der Tür») ist eine psychologische Manipulationsmethode, die vor allem im Verkauf und in der Werbung eingesetzt wird. Ihr Prinzip: Wer einmal einer kleinen Bitte zugestimmt hat, gibt eher auch grösseren Forderungen nach.
Zunächst wird eine harmlose, kaum auszuschlagende Bitte gestellt. Sobald die betroffene Person zustimmt, folgen nach und nach weitere, leicht veränderte Forderungen. Am Ende steht eine Bitte, welche die Zielperson anfangs wahrscheinlich abgelehnt hätte. Doch weil sie bereits mehrfach ja gesagt hat, fällt es ihr schwer, plötzlich nein zu sagen. Der Grund: Menschen streben nach Konsistenz in ihrem Verhalten. Wer einmal einer Sache zugestimmt hat, will nicht inkonsistent erscheinen, selbst wenn sich die Situation inzwischen stark verändert hat.
Betrügerinnen und Betrüger nutzen diese Technik gezielt aus, etwa auf Kleinanzeigenplattformen. Sie geben sich als interessierte Käufer aus und nehmen mit Verkäufern Kontakt auf. Zunächst erscheint alles harmlos, doch dann behaupten sie, es gebe Probleme mit der Bezahlmethode. Sie bitten darum, eine alternative Lösung zu nutzen. Die Änderungen sind geringfügig und wirken zunächst unbedeutend: Beispielsweise soll ein bestimmter Zahlungsdienst ausprobiert oder ein zusätzlicher Link angeklickt werden. Schritt für Schritt bewegt sich die betroffene Person in eine Lage, in der sie schliesslich sensible Daten auf einer unbekannten Webseite eingibt. Hätte die Betrügerin oder der Betrüger direkt zu Beginn verlangt, sich auf einer fremden Plattform anzumelden, hätte man wahrscheinlich abgelehnt.
Nur weil Sie anfangs einer kleinen Bitte zugestimmt haben, heisst das nicht, dass Sie weiterhin zustimmen müssen. Wenn sich die Situation zunehmend verändert oder Sie sich unsicher fühlen, brechen Sie den Kontakt ab. Lassen Sie sich nicht durch die «Foot-in-the-door»-Technik zu einer Handlung drängen, die Sie eigentlich nicht ausführen wollen.
FOMO – Die Angst, etwas zu verpassen
«Fear of Missing Out» (FOMO) beschreibt die Befürchtung, dass andere Menschen etwas erleben oder von einer Gelegenheit profitieren, während man selbst aussen vor bleibt. Dieses Gefühl kann dazu führen, dass man aus Angst, etwas zu verpassen, vorschnelle Entscheidungen trifft.
Oft zeigt sich FOMO in sozialen Situationen. Man nimmt an einer Veranstaltung teil, obwohl man eigentlich keine Lust hat – nur aus Angst, dass andere etwas Spannendes erleben und man später nicht mitreden kann. FOMO existiert aber nicht nur im Alltag, sondern wird insbesondere von Betrügern gezielt im Internet eingesetzt.
Ein Beispiel dafür ist Investmentbetrug. Auf vermeintlichen Investmentplattformen wird oft behauptet, dass nur eine begrenzte Anzahl an Personen investieren kann. Dies weckt bei manchen Menschen die Angst, eine einmalige Chance zu verpassen – man könnte hohe Gewinne verpassen, weil man zu lange gezögert hat.
In gewissen Situationen kann schnelles Handeln sinnvoll sein. Doch bevor man eine impulsive Entscheidung trifft, sollte man sich fragen: Ergibt es wirklich Sinn, dass ein Angebot nur für kurze Zeit verfügbar ist? Grundsätzlich gilt: Wenn etwas zu gut klingt, um wahr zu sein, dann ist es das auch.
Empfehlungen
- Seien Sie generell skeptisch, wenn Sie sich im virtuellen Raum bewegen.
- Lassen Sie sich nicht dazu verleiten, immer weiteren kleinen Schritten zuzustimmen, die Sie eigentlich gar nicht unternehmen möchten.
- Lassen Sie sich nicht durch vermeintlich exklusive oder lukrative Möglichkeiten blenden.
- Brechen Sie beim geringsten Zweifel die Kommunikation ab.
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Letzte Änderung 05.08.2025