Woche 32: Die psychologischen Tricks der Betrüger - Teil 2

12.08.2025 - Fast immer spielen Emotionen bei Social Engineering eine zentrale Rolle. Betrüger versuchen gezielt, bestimmte Gefühlszustände und Reaktionen bei ihren potenziellen Opfern auszulösen. Der sechste und letzte Teil der BACS-Sommerserie zeigt auf, wie Betrüger diese Gefühle gezielt ausnutzen und warum es so wichtig ist, sich seiner eigenen Emotionen bewusst zu sein, um einen kühlen Kopf zu bewahren.

Angst vor Verlusten, Zeitdruck, das Gefühl der Scham oder das Verlangen nach Nähe – all das sind wirksame Werkzeuge bei Social Engineering. Betrüger nutzen diese Gefühle gezielt aus, um das rationale Denken potenzieller Opfer zu umgehen.

Angst: Eine Emotion, die von Betrügern gerne eingesetzt wird

Angst ist eine grundlegende Emotion, die in vielen Situationen hilfreich ist, da sie uns dabei unterstützt, Gefahren zu erkennen und zu vermeiden. Die rasante Entwicklung der Digitalisierung macht es aber manchmal schwierig, Emotionen, die uns seit jeher begleiten, an das neue Umfeld anzupassen. Besonders unsichere Internet-Nutzende leben oft mit der Angst, einen Link anzuklicken. Im Bereich der Cybersicherheit kann diese Form der Vorsicht durchaus hilfreich sein – etwa, wenn man sich überlegt, ob eine E-Mail tatsächlich echt ist.

Andererseits gibt es viele Menschen, die sich im Internet so sicher fühlen, dass ihnen dieses gesunde Misstrauen abhanden gekommen ist. Sie klicken unüberlegt Links an und merken erst im Nachhinein, welche Auswirkungen dies haben kann.

Die oben beschriebene Angst kann also schützend wirken. Die Betrüger versuchen, das rationale Denken mit gezielt geschürter Angst zu umgehen. So behaupten Betrüger beispielsweise, man werde den Zugang zu seinem E-Banking-Konto verlieren, wenn man nicht sofort handle. Oder sie schreiben, dass es Zugriffe von unautorisierten Dritten gegeben habe und man nun aktiv werden müsse, um kein Geld zu verlieren.

Mit solchen Aussagen setzen die Betrüger potenzielle Opfer unter Druck. Dies in der Hoffnung, dass die Angst vor finanziellen Verlusten dazu führt, die Behauptungen nicht kritisch zu hinterfragen. Denn wenn man glaubt, sein gesamtes Vermögen sei in Gefahr, tritt der Gedanke, dass die Nachricht vielleicht einen betrügerischen Hintergrund haben könnte, schnell in den Hintergrund.

Deshalb gilt für Nachrichten, mit denen Angst geschürt werden soll: Halten Sie inne, machen Sie einen Schritt zurück. Handeln Sie nicht sofort, sondern lassen Sie der Emotion Raum, um abzuklingen. Erst dann können Sie wieder klar und überlegt entscheiden.

Stress: Sowohl negativ als auch positiv

Ganz ähnlich wie bei der Angst verhält es sich mit Stress. Viele Betrüger versuchen, ihre Opfer unter Zeitdruck zu setzen. Das Prinzip dahinter ist dasselbe: Wenn man sich zu sofortigem Handeln veranlasst sieht, läuft man Gefahr, emotional statt rational zu handeln und das Falsche zu tun.

Im Unterschied zur Angst kann Stress allerdings auch mit positiven Gefühlen verbunden sein. So gibt es zum Beispiel gefälschte Gewinnspiele, bei denen es heisst, nur die ersten 1'000 Teilnehmenden hätten die Chance auf einen Gewinn. In der Aufregung, vielleicht etwas zu gewinnen, hinterfragt man oft nicht, warum man plötzlich persönliche Daten eingeben soll. Man will einfach zu den Gewinnern gehören.

Hier gilt dasselbe wie bei Angst: Wenn Sie merken, dass Sie zeitlich unter Druck gesetzt werden und das Gefühl haben, sofort handeln zu müssen, nehmen Sie sich einen Moment Zeit. Atmen Sie durch und denken Sie in Ruhe darüber nach, ob das Angebot wirklich seriös ist.

Lieber bezahlen als sich schämen?

Scham ist eine starke Emotion. Wir wollen von unseren Mitmenschen positiv wahrgenommen werden und uns möglichst nicht vor ihnen blamieren. Sogenannte Fake-Sextortion-E-Mails zielen genau auf diese Emotion ab. In diesen E-Mails behaupten Betrüger, sie hätten Video- oder Bildmaterial, das zeigt, wie sich die betroffene Person auf pornografischen Webseiten vergnügt. Die Betrüger drohen mit dem Versand der angeblichen Video- und Bilddateien an Freunde, Familienangehörige, Arbeitskollegen usw., falls das geforderte Lösegeld nicht bezahlt werde.

Manche potenzielle Opfer sind sich sicher, dass das nicht stimmen kann – andere hingegen schämen sich so sehr, dass sie lieber zahlen, um eine potenzielle Blossstellung zu vermeiden. Dabei existiert in den allermeisten Fällen überhaupt kein belastendes Material. Die Betrüger spekulieren allein auf die Macht der Scham.

Auch hier geht es also darum, Emotionen zu nutzen, um rationales Denken zu unterdrücken. Deshalb gilt auch hier: Nehmen Sie sich Zeit. Denken Sie darüber nach, ob die Drohung wirklich realistisch ist. Und handeln Sie nicht aus einem Schamgefühl heraus.

Einsamkeit und Liebe

Beim sogenanannten « Romance Scam » werden Einsamkeit und Verliebtheit gezielt ausgenutzt. Betrüger suchen sich bewusst Menschen aus, die unter Einsamkeit leiden und geben ihnen Hoffnung auf eine romantische Beziehung. Wer sich stark nach Nähe und Zugehörigkeit sehnt, ist oft bereit, Dinge zu tun, denen man unter anderen Umständen niemals zustimmen würde.

Mit der Zeit entsteht oft ein Vertrauensverhältnis zur vermeintlichen Person, weil man sich emotional an sie gebunden fühlt. Dadurch können die Betrüger spätere Forderungen noch leichter durchsetzen. Das hängt unter anderem mit dem sogenannten «Foot-in-the-door»-Effekt zusammen, der im Beitrag der Sommerserie von letzter Woche erläutert worden ist. Vielen Betroffenen fällt es deshalb schwer, sich selbst aus dem « Romance Scam » zu lösen.

Wenn eine Person, die Sie noch nie persönlich getroffen haben, Forderungen stellt, ist das ein deutliches Warnsignal. Dies gilt insbesondere, wenn finanzielle Forderungen im Raum stehen. Lehnen Sie solche Forderungen ab, selbst wenn die Person mit einem Kontaktabbruch droht. Wer Sie wirklich liebt oder schätzt, wird Sie nicht emotional unter Druck setzen.

Emotionen sind menschlich – und genau das machen sich Betrüger zunutze. Wer seine eigenen Gefühle besser kennt, kann im entscheidenden Moment einen klaren Kopf bewahren. Deshalb gilt: Erst denken, dann klicken.

Empfehlungen

  • Lassen Sie sich im Internet nicht zu stark von Ihren Emotionen leiten.
  • Versuchen Sie, im Cyberraum rational zu bleiben und überlegen Sie sich in Ruhe, ob eine Behauptung wahr sein kann.
  • Behauptet eine Ihnen unbekannte Person, kompromittierendes Bild- oder Videomaterial von Ihnen zu besitzen, ist das in den allermeisten Fällen ein Bluff. Brechen Sie den Kontakt unverzüglich ab und gehen Sie nicht auf finanzielle Forderungen ein.

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